Elektrophysiologie / Rhythmologie

Die Abteilung „Rhythmologie / Elektrophysiologie“ ist am Klinikum Schwalmstadt seit 1.1.2015 neu eingerichtet und arbeitet in enger Kooperation mit der Abteilung der Innere Medizin / Kardiologie.

Rhythmologie und elektrophysiologische Untersuchung (EPU)

Die Rhythmologie befasst sich mit den Rhythmusstörungen des Herzens.

  • Damit das Herz schlagen und dadurch den Blutstrom aufrecht halten kann, sind insbesondere vier Strukturen von Bedeutung.
    Herzmuskulatur, welches die Arbeit leistet
  • Herzklappen, welche die Richtung des Blutstromes bestimmen (Ventilfunktion)
  • Reizbildungs- und Reizleitungssystem
  • Durchblutung der Herzmuskulatur

Im Grunde hat jeder Mensch zwei Herzen: Ein rechtes und linkes, welche wiederum in Vorhöfe und Kammern haben. Diese liegen dicht beieinander und sind durch eine Scheidewand (Septum) voneinander getrennt. Das rechte Herz befördert das sauerstoffarme Blut aus der Peripherie zur Lunge. Von dort wird das sauerstoffreiche Blut durch das linke Herz über die Schlagadern (Arterien) wieder in die Peripherie befördert.

Das rechte Herz wird auch als Niederdruck- und das linke Herz als Hochdrucksystem bezeichnet. Damit das Herz jedoch effektiv arbeiten kann, ist eine exakte Koordinierung der Kontraktionen der Vorhöfe und Kammern durch das Reizbildungs- und Leitungssystem erforderlich. Im Wesentlichen werden die Signale zum Schlagen des Herzens im Sinusknoten gebildet. Dieser liegt im Bereich der oberen Einmündung des rechten Vorhofes. Auf diesen besteht Einfluss durch die aktuelle Gemütslage. Von dort bereiten sich die Signale (50 bis 180 Mal pro Minute, abhängig von Alter, Geschlecht und Trainingszustand) in den Vorhofwänden aus. Dadurch kontrahieren sich die Vorhöfe. Das Signal kommt jedoch parallel am sogenannten AV-Knoten an, welches die einzige natürliche elektrische Verbindung zwischen den Vorhöfen und Kammern darstellt. Von dort aus wird das Signal zum Teil reguliert in spezifische Bahnen in beide Kammern zeitgleich geleitet. Die Folge ist eine Kontraktion der Kammern und unter anderem auch der peripher tastbare Puls. Das Tasten des Pulses stellt somit eine wichtige und rasche Möglichkeit, den Takt des Herzens zu beurteilen. So lässt sich dieser einteilen in schnell, langsam, regelmäßig, unregelmäßig, kräftig, weich und schwankend. Der Signalablauf des Herzens kann durch das Elektrokardiogramm (EKG) dargestellt werden. Es können hierbei Hinweise auf normal und anormal bis krankhaften Veränderungen darin gedeutet werden. Die Analyse und Behandlung einer Störung der Signalbildung und Weiterleitung stellt den Kernbereich der Rhythmologie dar. Sie kann eingeteilt werden in zu langsame (Bradykardie) und schnelle (Tachykardie) Herztätigkeit, wobei diese noch diverse Unterformen haben.

In der Regel werden symptomatische Bradykardien durch Herzschrittmachertherapie behandelt, sofern kein vermeidbarer Grund vorliegt. Bei Tachykardien wurden in den vergangenen 40 bis 50 Jahren neben der medikamentösen Dauertherapie die interventionelle Therapieform entwickelt. Dabei handelt es sich um die elektrophysiologische Untersuchung (EPU). Hierbei wird mittels katheterbasierter Technik die Art der Rhythmusstörung ermittelt und durch Verödungstechnik (Hochfrequenzenergie oder Kühlung) behandelt (Ablation). Hierbei kommt ein 3-Dimensionales System zur Ortung der Rhythmusstörung und indirekte Darstellung des Fibrosierungsgrad des Herzmuskels zum Einsatz. Die Untersuchung ist sehr gut verträglich, so dass lediglich eine Lokalanästhesie ausreicht. Nach individuellem Bedarf kann auch eine Sedierung (Allgemeinnarkose ohne Intubation) angewendet werden. Die meisten tachykarden Rhythmusstörungen sind durch diese Technik definitiv therapierbar. Eine Behandlung durch implantierbare Defibrillatoren (ICD) oder Resynchronisationssysteme (CRT-D) stellt eine wichtige Säule in der Therapie der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und Prophylaxe des plötzlichen Herztodes dar. Die Implantation des erforderlichen Systems erfolgt in Lokalanästhesie und es kann ebenfalls nach individuellem Bedarf eine Sedierung erfolgen.

Auszug aus unserem Leistungsspektrum

Wir behandeln u.a. die folgenden angeborenen und erworbenen Herzrhythmusstörungen durch elektrophysiologische Katheteruntersuchung (EPU)

  • AV-Knoten Reentry Tachykardien (AVNRT)
  • Angeborene zusätzliche Reizleitungsbahnen (WPW-Syndrom)
  • Ektope Atriale Tachykardien im rechten und linken Vorhof (EAT)
  • Vorhofflattern, alle Formen
  • Vorhofflimmern
  • Ventrikuläre Tachykardien (VT)
  • Kammerflattern und -flimmern
  • Bradykardien
  • Synkopendiagnostik (Ohnmacht)
  • Kipptischuntersuchung
  • Implantation von Herzschrittmacher, ICD, CRT-D
  • Seltene Rhythmusstörungen durch Ionenkanaldefekte oder genetische Defekte (z.B. Brugada-Syndrom, arrhythmogener rechter Ventrikel u.a.)

Wir haben in Schwalmstadt eines der modernsten Geräte, um Herzrhythmusstörungen ausfindig zu machen und zu therapieren. Unsere Patienten können mittels diesem Verfahren 95 bis 98% Heilungschancen erwarten.